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Rezensionen

Matore "Crocodile tears" (Curzweyhl/ Rough Trade)


Fast gehen selbst der Grafschen Phrasendreschmaschine die Superlative aus, sa dass man schon fast ein bischen neidisch zum Kollegen Eck hinueberschielen möchte, der ja selbst aus einer kleinen Mücke einen großen Elefanten mach kann. Aber mit diesem Debüt(!) haben sich Curzweyhl einen wahren Prachthappen an Land gezogen! Brita Adler alias MATORE und Timo Trommer zaubern ein Universum aus der hohlen Hand, dass man staunend mit offenem Mund dasteht und sich verwundert die Ohren reibt. Eine unglaubliche Mischung aus Mila Mar, Dead Can Dance, Sigur Ros, Massive Attack sowie tausend faszinierenden Einsprengseln zwischen Klassik und Ethno, über der die einfach nur gigantisch zu nennende Stimme von Brita thront wie die Königin von Saba, so überirdisch, unnahbar, verspielt und verrucht, zornig und besänftigend, zwische Anke Hachfeld, Kate Bush und Lisa Dalbello. In den Ohren des Hörers erschließt sich ein Panauditum, das einer psychedelischen Reise in einem rosafarbenen U-Bootdurch das Weltall gleicht, hopsend von Planet zu Planet, um auf jedem neue Spezies zu entdecken, neue Pflanzen, Tiere und Götter - rein, unberührt, von naiver Schönheit, die auch den Zöllner fasziniert hätte, der zu "Crocodile Tears" einen wunderbaren Bilderzyklus hätte erstellen können. Oder ist das Album doch mehr dem Surrealismus zuzurechnen? Wie hätte wohl Max Ernst darüber gedacht? Ist dies Europa nach dem Regen? Wuchernd grün, rot und blau, mit ungezählten versteckten Details, die ihrer Entdeckung harren? Oder muss man sich eher ein pointillistisches Meisterwerk vorstellen? Tupfen an Tupfen ergibt aus Myriaden Mikrokosmen einen einzigartigen Makrokosmos? In jedem Fall ist "Crocodile Tears" unglaublich visuell ausgefallen, beschwört Bild um Bild, Film um Film, Trip um Trip... doch am Ende landet man stets vor dem Antlitz der Göttin in der Inkarnation von Brita Adler.
Martin Graf (Legacy)

Nach dem das Curzweyhl Label in letzter Zeit immer wieder mit auf hohem Niveau stehenden MA VÖ's auf sich aufmerksam machte, gibt es nun ein ganz anderes Genre zu bestaunen. Balladesk inszenierter, schräger Pop. Die dezent instrumentierten Stücke strotzen der momentan so begehrten Bombast Schiene. Ruhig und in einem eleganten Kleid sind die Songs zwar leichtfüssig produziert, leben aber von einer Zartheit, welche in dem zerbrechlichen Klang von Britas Stimme ihren Gipfelpunkt erreicht. Teilweise sind die Stimmbänder von einer hauchzarten Weiblichkeit behaftet, die allerdings auch mal in verruchte, leicht raue Eleganz übergehen kann. Eilweise erinnert es an Experimental Pop, den auch Künstlerinnen wie Cyndy Lauper oder Kate Bush beherrschten, allerdings waren dies versteckte Perlen auf den Alben. Matore lässt diese Ästhetik geballt wirken, was zunächst Vergleiche mit Björk aufkommen lässt. Dabei gibt es Bar-Atmosphäre, die romantisch-nebulös dargeboten wird. Einige Songs weisen einen bluesigen Touch auf, während andere schräge Underground-Balladeskität besitzen. Brita ist eine perfekte Geschichtenerzählerin und versteht es, ohne Rücksicht auf Melodie oder Rhythmik mit ausdrucksstarker Betonung das Ohr auf das Wesentliche im Song zu lenken. Kleiner Kritikpunkt ist, dass die Songs alle sehr ähnlich aufgebaut sind und allesamt im gleichen Tempo beheimatet sind, könnte aber auch positiv gesehen werden, da hierdurch das Album wie aus einem Guß wirkt. Andreas (website: amboss-mag)


Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir auf diesen Seiten tatsächlich einmal etwas eigentlich "Neues" und zugleich Überzeugendes vorstellen dürfen. Und das vorliegende Album "Crocodile Tears" ist bei aller Rückwärtsgewandtheit auf die Achtziger Jahre hin etwas durchaus Neues. Matore gelingt es, auf eine ganz eigene Weise düster, bedrohlich und sexy zu klingen: Der stets leicht lächerliche schwarze Pomp vieler Wave-Gothic-Bands ist hier vollkommen unnötig. Stattdessen weiss die Produktion sich Stilelemente der "Black Music" in einem ganz anderen Sinne zu erobern: Handfester Blues etwa tönt da immer wieder um die Ecke. Eine von vielen Traditionen ist sicherlich in den Arbeiten Angelo Badalamentis und David Lynchs mit der Chanteuse Julee Cruise zu erblicken. Sade (die Sängerin, nicht der Autor) und die göttliche Kate Bush sind weitere. Und das wirkt Welten überzeugender als gnadenlos gehypte zeitgenössische Pastiches a la "Within Temptation". Biblisch-mystische Anklänge sind ohnehin vom Opener Jesaja an vorgegeben.
Etwas schwächere Momente erlebt die Veröffentlichung nur da, wo sie wie im Titel "Farewell" in das etwas blässliche New Age-Pathos von Michel Cretu zurückkippt. Die lyncheske Remix-Version am Ende der CD weiss hier mehr zu überzeugen.   Stephan M. Rother
 (website: magister-rother)


Dem Debutalbum von Matore zu lauschen, gleicht dem Eintauchen in eine fremde Welt. Keine wirklich fröhliche, denn munter dahinplätschernde Pop-Melodien sucht man hier vergebens. Vielmehr haben Sängerin Brita Adler und Komponist Timo Trommer auf Crocodile Tears mit Worten und Musik einen Ort geschaffen, an den man sich zurückziehen und über die Widrigkeiten des Lebens, Sinn und Unsinn des Daseins nachdenken oder einfach seine Gedanken dahinschweifen lassen kann. Songs wie Blackness, Farewell oder Storm In En Boquec kommen dabei mit ihren ruhigen, melancholischen, mitunter auch verspielten Melodien wirklich derart atmosphärisch daher, dass dieser Rückzug nicht schwer fällt. Brita Adler, deren Gesang bereits auf dem Thanateros-Album Circle Of Life zu hören war, lässt ihre Stimme mal zart, mal verführerisch und mal geflüstert in die wunderschön arrangierten Kompositionen einfließen. Gerade dieser mitunter sehr zerbrechlich wirkende und dahingehauchte Gesang erscheint anfangs gewöhnungsbedürftig, und doch gewinnt Crocodile Tears auch durch diesen mit jedem Hördurchgang mehr an Emotionen und Tiefe. Und einmal mehr zeigt sich: Musik muss nicht fröhlich sein, um wirklich schön zu sein! (8,5 von 10 Punkten) Doreen Krase (Orkus Nr.7 Juli/ August 2004)

 

Matore Brückenschlag ins Glück. Mata, lateinisch für Quelle und somit eine Quasi-Metapher für das, was Brita Adler aka Matore auf ihrem Debütalbum „Crocodile Tears" mit ihrem Kollegen Timo Trommer einspielte. Denn die Band aus dem Thüringischen, die ihre ersten Erfolge merkwürdigerweise beim diesjährigen Wave & Gotik Treffen feiern konnte, sehen ihre Prioritäten hörbar in den leisen Tönen, wobei aber dennoch mit Emotionen und damit verbunden viel Tiefgang nicht gespart wird. So ist „Crocodile Tears" eher Club und Lounge- kompatibel und nebenbei singt Brita Adler so herzerweichend, wie man es nach Kate Bush wohl nicht mehr gehört hat. Carsten Agathe (DNS six)

 

Interview: Orkus Nr.8 (August/ September 2004)